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Andreas Bunkus,
30.09.2019

Besuch der Regionalkonferenz auf Kampnagel Wer wird die SPD führen?

Die sieben Teams auf der Bühne auf Kampnagel. Foto: SPD Mühlenkamp

Die sieben Teams auf der Bühne auf Kampnagel. Foto: SPD Mühlenkamp

Sieben Teams, die die Sozialdemokratie in Deutschland führen wollen, stellten sich und ihre Ideen auf Kampnagel vor. Eindrücke eines geschichtlichen Moments.

Die SPD sucht nach einer neuen Spitze. Der Vorstand hat sich zum ersten Mal für das Modell einer Doppelspitze entschieden, so dass eine Frau und ein Mann gemeinsam die SPD führen sollen. Welches Team es wird, wird nach einem zweistufigen Mitgliederentscheid entschieden, dem eine Tour durch 23 Regionalkonferenzen vorausgeht und dem ein Bundesparteitag im Dezember folgt. Am 18. September 2019 kamen die sieben Teams nach Hamburg direkt in unsere Nachbarschaft: nach Kampnagel.

Wir Mühlenkamper*innen trafen uns eine halbe Stunde vorher, um gemeinsam die Vorstellung zu erleben. Das Interesse war so groß, dass die Halle mit 800 Leuten rappeldickevoll besetzt war und sich einige Genoss*innen von uns, die erst 25 Minuten vor Beginn kamen, in der Vorhalle mit der Übertragung begnügen mussten. Unsere Mühlenkamper Flagge „Solidarität“ musste ebenfalls draußen bleiben, weil sperrige Gegenstände in der Halle nicht willkommen waren.

Das Konzept des Abends sah 5-minütige Präsentationen der Teams vor, dann eine Fragerunde mit einem Journalisten, dann Fragen aus dem Publikum und schließlich Abschlussstatements aller Teams. Wer überzeugte am besten? Das wird jede*r sicher unterschiedlich beantworten, je nach eigener Analyse, worin die Herausforderungen der SPD liegen und welche Themen als vordringlich gesehen werden. Wer den Klimawandel wichtig findet, wird dem Team Nina Scheer/ Karl Lauterbach aufmerksam zuhören. Wer die Verteilungsfrage in den Mittelpunkt stellen möchte, applaudiert bei Hilde Mattheis und Dierk Hirschel stärker. Familiengerechtigkeit und Ostdeutschland stellen Petra Köpping und Boris Pistorius in den Vordergrund. Die Glaubwürdigkeit der SPD generell wollen Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans wieder herstellen. Die Palette der sozialen Gerechtigkeit konnte Ralf Stegner souverän und humorvoll durchdeklinieren, der ohne seine verhinderte Team-Partnerin Gesine Schwan gekommen war. Ein Heimspiel hatte Hamburgs Bürgermeister a.D. Olaf Scholz, der zusammen mit Klara Geywitz auf die sozialen Errungenschaften der SPD bei Bildung, Wohnen und Familie verwies, um neue Glaubwürdigkeit zu unterstreichen. Wer eine frische und optimistische Führung wünscht, hat sicher die Vorstellung von Christiane Kampmann und Michael Roth begrüßt.

Was fiel auf? Manche Teams wie Scheer/ Lauterbach, Mattheis/ Hirschel und Stegner (/Schwan) bekamen dann viel Applaus, wenn sie das Ende der Großen Koalition forderten, weil man in ihr nicht genug SPD-Inhalte durchsetzen könne. Ralf Stegner überraschte mich persönlich mit seinem Witz und Humor. Und Olaf Scholz nahm sich sehr zurück und überließ Klara Geywitz die Bühne, vielleicht um einer eventuellen Kritik an lokaler Dominanz zuvorzukommen.

Es wurde aber auch deutlich, dass sich alle sieben Teams ernsthaft und gewissenhaft auf die Aufgabe vorbereiten und viel Zeit, Energie und Herzblut einsetzen. Das verdient Respekt. Es war befriedigend zu sehen, dass es viele qualifizierte Interessenten gibt, zumal der Job des SPD-Vorsitzes in den politischen Medien und in der Satire oft als unattraktiv dargestellt wurde. Wer die SPD schon abgeschrieben glaubt, hat sich geirrt.

Die Station in Hamburg war die 12. von insgesamt 23. Wir Genoss*innen können vom 14. bis 25. Oktober abstimmen – online oder per Briefwahl. Wenn dann eine Stichwahl erforderlich wird, stimmen wir Ende November noch einmal ab. Der Parteitag am 6. Dezember soll dann dem Entscheid folgen und wählt die neue Spitze.